Nur noch 40% vertrauen Medien bei Ukraine-Berichterstattung

Nur noch 40% vertrauen Medien bei Ukraine-Berichterstattung | Русская весна

Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap sprechen nur noch 40% der Deutschen den Medien das Vertrauen bezüglich der Ukraine-Krise aus. Die Antworten lassen sich nicht auf bestimmte soziale Gruppen, Geschlechter oder Altersschichten herunterbrechen. Auch ganz allgemein stehen die Medien in Deutschland schlechter da, als jedes andere Verfassungsorgan.

Nachdem 63% der Befragten angaben, in der Darstellungsweise der Ukraine-Krise den Medien, nicht mehr zu trauen wurden sie zu ihren jeweiligen Gründen gefragt. Dabei gaben 31 Prozent der Befragten an, sie hätten den Eindruck, es werde einseitig und nicht objektiv berichtet. 18 Prozent glauben an eine “bewusste Fehlinformation” und neun Prozent an eine Steuerung durch die Politik. Ein beträchtlicher Teil – nämlich 18 Prozent – wollte zu dieser Frage keine Angabe machen.

Bei anderen Themen haben die Deutschen noch etwas größeres Vertrauen in die Berichterstattung der Fernsehsender, Zeitungen und Zeitschriften: Beim Lokführerstreik haben fünf Prozent sehr großes und weitere 49 Prozent großes Vertrauen – die Skeptiker bilden hier zusammengerechnet lediglich eine Minderheit von 40 Prozent. Trotzdem bleiben die Medien damit durchschnittlich auf ihren schlechten Werten sitzen.

Insgesamt haben 15 Prozent der 1.002 soziodemographisch repräsentativ ausgewählten und über Festnetz- und Mobiltelefone Befragten gar kein und weitere 54 Prozent weniger Vertrauen” in die Medien mehr. 14 Prozent machen die Ukraineberichterstattung dafür verantwortlich, dass ihr Vertrauen in traditionelle Informationsangebote insgesamt gesunken ist. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch Florian Rötzer in seinem Buch “Medien im Krieg“. Laut ihm, ist der Glaubwürdigkeitsverlust vor allem auf den schlechtem Umgang mit eigener Kritik zurückzuführen und ein Resultat langem “Establishment-Denken” der deutschen Leitmedien.

In der gestern Abend um 23.20 Uhr im NDR ausgestrahlten Sendung befasste sich das Medienmagazin Zapp, das auch de Umfrage in Auftrag gab, mit den Ergebnissen der Studie und den Ursachen der Glaubwürdigkeitskrise. Dabei soll es nicht nur um die Ukrainekrise gehen, sondern auch um andere Bereiche bei denen viele Bürger den Eindruck haben, dass ihre eigene Sicht der Dinge als “Populismus” tabuisiert und unterdrückt wird.

Passend dazu verteidigt  hristian Nitsche, zweiter Chefredakteur von ARD Aktuell,  „Angriffe auf Qualitätsmedien“ – eine „geschürte Stimmung des Misstrauens“ zersetze den Diskurs: „Der Nachweis, dass Sachverhalte von oftmals anonymen, gut organisierten Kritikern verdreht und verkürzt werden, entfaltet kaum Wirkung. Eine offenbar angstgesteuerte Wahrnehmung blendet aus, dass eine Kampagne gegen ‘die Medien’ läuft. Das Ziel der Kampagne ist nicht die Stärkung der Demokratie, sie soll vielmehr zu einer Abkehr von Sendern und Zeitungen führen. Im Ergebnis schwächt dies die Demokratie.“